Erfahrungen und Erkenntnisse über Entspannung mit verschiedenen Entspannungmethoden

( Zusammengestellt von Hannelore Graze, Entspannungstrainerin,
system. Beraterin)
 

Grundlagen und allgemeine Wirkung

 

Angst, Ärger und Wut und soziale Spannungen einerseits und körperliche Fehlhaltung und Schmerz andererseits führen zu den bekannten Stressreaktionen. Körperliche, seelische und soziale Spannungen verstärken sich gegenseitig.

Wer z.B. dauernd Ärger hat, “beißt auf die Zähne, zerbricht sich den Kopf, macht einen krummen Rücken oder es schlägt ihm auf den Magen“. Durch falsche Körperhaltung entstehen Kopf- und Rückenschmerzen, die die Psyche belasten, was wiederum soziale Auswirkungen hat. Entspannung ist ein lebenswichtiges Prinzip.

Wichtig ist die Balance zwischen Anspannung- und Lockerungsphasen. Einerseits wird bereits vorhandene Spannung und Erregung abgebaut. Andererseits wird gleichzeitig Unempfindlichkeit entwickelt gegen weitere Erregung in spannungserzeugenden Situationen, durch innere Gelassenheit, Desensibilisierung, Umdeutung oder aktive Schutzmassnahmen.

Das angeborene Wissen um die Notwendigkeit von Entspannung und Ruhe hat in allen Kulturepochen und Bevölkerungsgruppen zur Entwicklung von Praktiken geführt, die dem Körper Erholung gewähren und Schutz vor Überbelastung bieten. Eine Vielzahl der psycho-somatischen oder sogar organischen Störungen in unserer Hektomatikwelt zeigt uns, dass zusätzliche Entspannungsverfahren die Störungen verändern können.

Die fühlbare innere Ruhe ist bei allen Entspannungsverfahren als Veränderung der Hirnaktivität messbar.

Entspannungsmethoden

Autogenes Training (AT)

Beim autogenen Training wird durch formelhafte Sätze wie „ich bin ganz ruhig und entspannt“, „mein Bein ist ganz schwer“ die Muskulatur entspannt; Atem und Puls werden beruhigt. Die Wirkung verstärkt sich bei regelmäßigem Üben und überträgt sich auf den ganzen Körper. In wenigen Minuten wird eine tiefe Entspannung erreicht. AT wird bei vielen unspezifischen Störungen eingesetzt, auch bei spezifischen Störungen wird eine positive Wirkung beschrieben.

Atementspannung

Eine langsame, tiefe und gezielte Atmung, wie sie durch die Atementspannung erreicht wird, führt im Körper zu einem entspannten Zustand. Das sogenannte parasympathisches Nervensystem, das für Ruhe, Regeneration und Entspannung zuständig ist, übernimmt die Regie, während das sympathische Nervensystem, das für Erregung und Aktivität zuständig ist, sich zurücknimmt. Der Körper kann seine Selbstheilungskräfte stärker einsetzen.

Progressive Muskelrelaxation (PMR)

Im Rahmen der progressiven Muskelrelaxation wird durch gezieltes Anspannen, Spannung halten und Entspannen einzelner Muskelgruppen eine allgemeine Entspannung erreicht. Wirkung und Anwendungsbereich ist ähnlich wie beim Autogenen Taining.

Meditation

Regelmäßige Meditation wirkt beruhigend und wird in der westlichen Medizin als Entspannungstechnik empfohlen. Die Wirkung, der meditative Zustand, ist neurologisch als Veränderung der Hirnwellen messbar. Der Herzschlag wird verlangsamt, die Atmung vertieft, Muskelspannungen reduziert. Meditation im eigentlichen Sinne ist eine spirituelle Praxis. 

Anwendungsbereiche

Ziel ist immer die physiologische und emotionale Selbstregulation bei Stress. Z.B. innere und soziale Konflikte, Schlafstörungen, Ängste sowie körperliche Probleme wie Kopf- und Rückenschmerzen, Muskelverspannungen, Atembeschwerden etc.

Wenn es gelingt, ein Gefühl der Ruhe und Gelöstheit zu erleben, was sich mit zunehmendem Üben immer rascher einstellt, bekommt es seinen festen SITZ IM LEBEN, man integriert es so selbstverständlich, wie das tägliche Zähneputzen.

Die Erfahrung zeigt, dass ein schmerzgeplagter Mensch durch tägliches Loslassen eine Linderung der Schmerzen, sowie eine andere Sicht und Annehmen seiner Krankheit erzielen kann.

Eine Geschichte 

Wenn man in einem Fluß badet und in einen Strudel gerät, ist die natürliche Reaktion ihn irgendwie zu bekämpfen. Aber das ist genau das Verkehrte. Schwimmlehrer werden sagen,

dass wenn man in den Strudel gerät mit ihm kooperieren soll. Wenn man ihm nachgibt, wenn man die Energie ganz hingibt, entsteht kein Kampf und die Energie wird nicht verschwendet.  Auf seinen untersten Grund ist der Strudel so klein, daß er nicht festhalten kann, es besteht also nicht einmal die Notwendigkeit aus ihm heraus zu schwimmen. Man wird mit einmal draußen sein. Wenn man ihn aber an der Oberfläche bekämpft, verschwendet man Energie und verliert Kraft noch bevor man den Grund berührt, man ist verloren.

Diese Geschichte habe ich genommen, um klar zu machen, dass man durch Erlernen der verschiedenen Entspannungsmethoden über das Loslassen Vertrauen zu sich selbst gewinnt.

Man wird neue Erkenntnisse ernten, wenn man das Loslassen und die Achtsamkeit in sein Leben integriert.

Es dauert natürlich eine gewisse Zeit, bis sich etwas durch den Blick ins Innere verändert, so dass es wie eine Quelle daraus hervorsprudelt. Es ist wie die Saat, die Zeit braucht, um sich selbst in der Erde zu verlieren, so dass sie als Blüte sprießen kann.

Jeder kann beginnen seine Brücke zu überqueren. Das wichtigste ist den ersten Schritt zu wagen.

Auch die weiteste Reise beginnt mit einem Schritt!